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Der virtuelle Arzt
24.09.2009, 14:00 Uhrbwcon: Telemedizin-Forum „Telemedizin – die Zukunft des Gesundheitswesens?“ am 24. September 2009 in Stuttgart
Telemedizin kann Lösungen bieten zur Optimierung der Patientenversorgung, zur Unterstützung der Organisation und Administration, zur Verbesserung der Infrastruktur und zur Sicherstellung der Facharztkompetenz vor allem im ländlichen Raum. Kleinere Krankenhäuser können mit Hilfe telemedizinischer Einrichtungen die Betriebsabläufe wirtschaftlicher gestalten, Personalressourcen besser ausschöpfen und eine flächendeckende Versorgung für die betroffenen Patienten gewährleisten. Die Voraussetzung für den Einsatz der Telemedizin sind ausfallsichere Netzwerke, die hohe Datenmengen transportieren können, ausgereifte Sicherheits-Technologien und Prozesse. Über Potenziale und Projekte informierte ein halbtägiges Forum am 24. September 2009 in Stuttgart, organisiert von der Special Interest Group (SIG) eHealth von bwcon.
Wird ein Patient mit Verdacht auf Schlaganfall in ein Krankenhaus eingeliefert, kann der Arzt vor Ort die CT-Röntgenaufnahmen des Schädels elektronisch innerhalb weniger Minuten dem Fachspezialisten im Zentrum zusenden. Aufgrund der guten Bildqualität können sich anschließend die Ärzte mit ihren Fachkollegen konsiliarisch beraten, eine gezielte Diagnose stellen und den Patienten genau abgestimmt therapieren. Das spart Zeit und Kosten und ist für die Notfallversorgung enorm wichtig, damit für die Schlaganfall-Patienten eine hohe Lebensqualität erhalten werden kann.
Sofern der Arzt, der die rechtfertigende Indikation und den Befund erstellt, nicht am Behandlungsort des Patienten ist, wird allerdings vom Gesetzgeber der Einsatz der „Teleradiologie nach Röntgenverordnung“ eingeschränkt. Diese Form der telemedizinischen Anwendung ist nur in bestimmten Fällen zugelassen. „Der gesetzliche Rahmen ist Einschränkung und Sicherheit zugleich“, so Dr. Michael Walz beim Telemedizin-Fachforum. Interessant ist zurzeit diese Anwendung für kleine Krankenhäuser, die keine Versorgung durch eigene Radiologen über 24h an 7 Tagen gewährleisten können, aber ihren Patienten weite Wege zum nächstgelegenen Radiologen ersparen möchten.
Flächendeckend sowie fachübergreifend teleradiologisch vernetzt
Die Vorteile von Telemedizin wurden anhand von Beispielen aufgezeigt. Stellvertretend für das Teleradiologienetzwerk Baden-Württemberg wurde demonstriert, wie im Rhein-Neckar-Dreieck die Vernetzung der peripheren Krankenhäuser bei der Notfallversorgung der Schlaganfallpatienten funktioniert. Ermutigt von den Ergebnissen wird deshalb zurzeit das Teleradiologienetzwerk Baden-Württemberg flächendeckend für das Land ausgebaut. Auch die weitere fachübergreifende Erweiterung ist vorgesehen, z. B. für die Notfallversorgung für Patienten mit Herzerkrankungen oder für Polytraumapatienten.
Bei den Projekten sind die einfache Einbindung in den Workflow, die Gewährleistung der Sicherheit und des Datenschutzes sowie die klare Aufteilung der Verantwortung wichtig. Das gilt insbesondere dann, wenn der Einsatz von Telemedizin auf europäischer Ebene definiert wird. „Wichtig ist es, dass die Rechtslage im jeweiligen Land festgeschrieben ist, und dass die Patienten über die externe Befundung informiert werden“, so Prof. Dr. Peter Mildenberger.
Modell für den Erhalt kleinerer Krankenhäuser
Einen Einblick in die Telemedizin in der Praxis aus ärztlicher Anwendersicht gab Prof. Dr. Richard Salm. Dank der Telechirurgie kann der leitende Arzt bei Akutsituationen schnell handeln, auch wenn er nicht im gleichen Haus wie der Patient anwesend ist. Er hat die aktuellen Bildinformationen mit hoher Qualität in Echtzeit zur Hand, kann direkt in den Operationssaal schalten, Bildquellen anklicken, jederzeit eine Live-Kommunikation mit seinem Kollegen herstellen sowie alle Geräteparameter anzeigen lassen. Der leitende Arzt ist also virtuell anwesend und kann die verantwortungsvolle Leitung gewährleisten. „Unsere Lösung hat Modellcharakter für den Erhalt kleinerer Krankenhäuser“, so Salm. Seine Wünsche für die Zukunft: Die technische Weiterentwicklung, unter anderem für die Steuerung der Geräte über Sprache und eine High-Definiton-Bildübertragung, sowie virtuelle Visite mit Bild- und Ton-Kommunikation.
Prävention – praktisch anwendbare Konzepte
Von der Medizin zur Prävention: Florian Kicherer stellte ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Projekt namens „lifescience.biz“ vor, in dessen Rahmen praktisch anwendbare Konzepte im Gesundheits- und Wellnessmarkt für die Senioren von morgen entwickelt werden sollen. „Wir wollen Dienstleitungs- und Technologieentwicklungen verzahnen sowie Leistungserbringer wie Ärzte, Krankenkassen, Gesundheitsberater und Fitnesstrainer zusammenbringen“, so Kicherer.
Entwicklungen fördern
Die Entwicklungen im Bereich Telemedizin bleiben spannend. Die SIG eHealth von bwcon fördert sie auch weiterhin, indem sie Hersteller, Dienstleister und Anwender aus den Bereichen Gesundheit und IT zusammenbringt. Sie eruiert Forschungsbedarfe und Verbesserungspotenziale und erarbeitet programmatische Leitlinien. Außerdem gibt es eine enge Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Arbeit und Soziales in Baden-Württemberg.
Die Präsentationen vom bwcon: Telemedizin-Forum finden Sie hier.
Text: Gitta Rohling
Bilder: Julia Grudda
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